Haarpflege

Beauty-Mythos oder Fakt? Haare lassen sich vom Nachfetten entwöhnen

31. Mai 2015
Hallo ihr Lieben!

Bewegt man sich im Internet auf Blogs, YouTube oder in einschlägigen Foren, scheint man am Thema „Haarpflege“ derzeit kaum vorbeizukommen. Nie, so scheint mir, wurde mehr diskutiert im Online-Beauty-Netzwerk als dieser Tage. Ganz oben: Die Diskussion rund um Haarwäsche und strähnige Haare. Der Trend, den man seit einiger Zeit beobachten kann, nennt sich „Cleansing Reduction“. Was steckt dahinter?
Das Grundprinzip entspringt den Überlegungen und Beobachtungen, dass weniger waschen sich positiv auf Haut und Haare auswirken kann. Schnell findet man im Internet Argumente wie „Früher hat man sich ja auch nicht täglich geduscht oder die Haare gewaschen“ oder „Meine Großmutter hatte ganz wundervolles Haar“. Und die Gedanken sind ja keineswegs dumm: Haben wir in der heutigen Zeit mit den täglichen Umweltbelastungen oder auch sportlichen Aktivitäten tatsächlich eine Art „Über-Hygiene“ entwickelt? Viele reden darüber – und viele starten den Selbstversuch: Körper- und Kopfwäschen reduzieren, auf natürliche Waschsubstanzen setzen – und manche verzichten sogar komplett auf Haarshampoo.
Was also statt Shampoo? Es wird mit Natron und Apfelessig gewaschen mit dem erklärten Ziel die einzelnen Haarwäschen hinauszuzögern. „No-Poo“ (von „No Shampoo“), „Conditioner Only“ (im „Forensprech“: „C/O“), „Water Only“ („W/O“) sind nur einige der Begriffe für Methoden, die einem entgegen flattern und sich förmlich von „Anfänger“ bis „Fortgeschrittener“ zu gliedern scheinen. Die fortgeschrittenste Variante der reduzierten Haarpflege: „Sebum Only“ – hier wird auf die Haarwäsche komplett verzichtet, stattdessen wird der natürlich produzierte Kopftalg mit Naturbostenbürsten (i. d. R. verwendet man Wildschweinborsten, wird mittlerweile aber auch bei veganen Alternativen fündig) fast schon ritualistisch Tag für Tag (manchmal mehrmals täglich) vom Ansatz in die Spitzen gebürstet.
Das Thema ist wahnsinnig umfangreich – und ich habe gefühlt alles dazu offen und unvoreingenommen gelesen, was man finden kann. Wie ist das denn nun eigentlich mit der Haarpflege – und im Besonderen mit der Haarwäsche bei strähnigen Haaren? Was ist dran an den vielen Methoden, die manchmal regelrecht verfechtet zu werden scheinen?
Ich wollte es ganz genau wissen und habe einige Methoden selber geduldig ausprobiert sowie zwei unterschiedlichen Dermatologen auf den Zahn bzw. auf das Haar gefühlt. Ich habe festgestellt: Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.
Sicherlich findet man Extreme in beide Richtungen: Die Leute, die felsenfest davon überzeugt sind, dass ihr Haar keineswegs schneller nachfettet, wenn sie es täglich waschen, Haar und Kopfhaut durch die täglich sanfte Reinigung viel besser atmen und funktionieren können, und die Leute, die gar nicht mehr ihre Haare waschen. Alle Parteien scheinen wenig sensibel auf die jeweils anderen hören zu wollen – oft schwingt in den Untertönen so etwas mit wie: „Was für mich funktioniert, ist die Wahrheit. Was für mich funktioniert, funktioniert dann gewiss auch für andere.“
Gerade bei Haut und Haaren ist meine Erfahrung an mir und meinen Mitmenschen aber: Niemand ist „wie die anderen“. Haut und Haare besitzen ganz individuelle, ganz persönliche Eigenschaften, die durch viele innere wie äußere Faktoren vorgegeben oder beeinflusst sein können. Dank der Entwicklung in Sachen Pflege und Kosmetik haben wir alle aber die Möglichkeit eine Menge zu tun, um genau den Zustand herzustellen, mit dem wir uns wohl fühlen – auf Arten und Weisen, wie sie für unsere Haut und Haare verträglich sind.
Aufgehorcht: Es ist ganz normal, wenn die Haare ein, zwei Tage nach der Haarwäsche nicht mehr so schön liegen wie am ersten Tag! Haare fetten auf natürliche Weise nach und die Zusammensetzung und Menge des körpereigenen Haartalgs variiert. Häufig liest man davon, dass man den Talgdrüsen „beibringen“ kann, weniger Haarfett zu produzieren. In Gesprächen mit Dermatologen und durch Eigenrecherche über die Anatomie der Haut erfuhr ich, dass die Talgdrüsen tief unter der Hautoberfäche sitzen und man sich bewusst darüber sein sollte, wie schwierig es sich gestalten kann, gerade auf diese kleinen Drüsen Einfluss zu nehmen. Eine ausgewogene Ernährung und Lebensweise kann sich durchaus positiv auswirken. Als eine Art „Universalrezept“ jedem Menschen zu empfehlen, dass seltenere Haarwäschen die Talgdrüsen über einen längeren Zeitraum förmlich „umprogrammieren“, das wird hingegen höchstwahrscheinlich für die wenigsten Leute funktionieren.
Für viel sinnvoller halte ich es, die Beschaffenheit seiner Haut und Haare kennenzulernen – und zwar am besten durch Beobachten und Ausprobieren!
Ich will hiermit nicht sagen, dass seltenere Haarwäschenen keinerlei Effekt erzielen können. Für manche Menschen (häufig haben sie von Natur aus eine sehr trockene Haut, die von sich heraus bereits weniger oder anders beschaffenen Talg produziert) funktioniert es durchaus am besten, sich nur einmal pro Woche die Haare zu waschen. Doch haben meine Recherchen zu dem Thema ergeben, dass dies eher als Ausnahme anzusehen ist – wie auch die Menschen eher die Ausnahme bilden, die bereits wenige Stunden nach der Haarwäsche schon über einen „Fettkopf“ klagen. Beides deutet auf eine Art von Ungleichgewicht bei der Talgproduktion hin, wie Veranlagung, Hormone oder auch die Wechseljahre es verursachen können. Im Schnitt scheinen die meisten Leute am besten zurecht zu kommen, wenn sie sich alle zwei bis drei Tage die Haare waschen. Und wer sich partout nicht wohl fühlen kann mit ein wenig natürlichem Talg am Haaransatz? Der wäscht einfach täglich mit einer milden Pflege und begeht dabei keine Schandtat!
Ich kann mir vorstellen, vieles liegt tatsächlich in der Auffassung davon, wie geflegtes Haar auszusehen hat und wie es sich anfühlt. Wie weiter oben bereits erwähnt, fällt das Haar einen Tag nach der Haarwäsche selten so frisch und fluffig, wie direkt nach dem Waschen und Stylen. (Ins Bewusstsein rufen sollte man sich auch, dass feines, dünnes Haar von vorneherein nicht so viel Talg aufnehmen und gleichmäßig verteilen kann, wie dickeres oder sogar trockenes Haar!) Aber bedeutet Haar, dass nicht mehr so gut liegt und ein wenig glänzt, gleich, dass man ungepflegt ist? Ich finde nicht – und daher habe ich mich mit bestem Gewissen von der täglichen Haarwäsche lösen können. Ich fühle mich ein, zwei Tage nach der Haarwäsche immer noch wohl und habe gute Haarlösungen für mich gefunden, mit denen ich prima zurecht komme. So frische ich den Haaransatz gerne einen Tag nach der Wäsche mit ein wenig feinem Puder auf (z.B. Babypuder oder Trockenshampoo) und trage am zweiten Tag einen Zopf, da die Haare am Oberkopf dann schön glatt sind. Zudem sind mir milde Waschsubstanzen und ein guter pH-Wert, um die Haut nicht zu irritieren, bei der Pflege sehr wichtig. Ich verwende Shampoo stets sparsam und ich schaue auch sehr gerne, was sich alles bei der Naturkosmetik tut.
Ich habe für mich herausgefunden, dass Shampoo nicht der Grund für meine feinen und zu Strähnen neigenden Haare ist – und so ist meine persönliche Empfehlung nicht, radikale Wege einzuschlagen und per se vom Shampoo abzuschwören, sondern herauszufinden, was Haar und Haut brauchen, um in ein gesundes Gleichgewicht zu kommen. Dabei auf sinnvolle Pflegehelfer zurückzugreifen ist keine Schande und hat nicht sofort etwas mit „Über-Hygiene“ zu tun.
Beauty-Mythos oder Fakt? Haare lassen sich vom Nachfetten entwöhnen – Mein Fazit: Bei manchen Leuten kann dieser Effekt bestimmt beobachtet werden. Ob sie die Haare aber wirklich „entwöhnen“ lassen, ist sehr individuell und die Voraussetzungen sind gerade für Menschen mit von Natur aus öliger Haut und sehr feinem Haar nicht die besten, um mit „extremen“ Methoden Erfolg zu haben und das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Die Wahrheit liegt sicher irgendwo dazwischen, aber ich halte die Aussage zu 80 % für einen Mythos.
Welche Erfahrungen habt ihr mit euren Haaren gemacht? Wie sieht eure Pflegeroutine aus? Gibt es etwas, auf das ihr schwört?

Lynne


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